Fachliche Hintergründe

Grundlage für die Einrichtung der sog. EUTB-Stellen bildet die sog. UN-Behindertenkonvention aus dem Jahre 2006, die von Deutschland 2009 unterschrieben und ratifiziert wurde.
Behindertenverbände haben direkt an der Konvention mitgearbeitet und so einen ganz anderen Ansatz der Beratung unter dem Blickwinkel: Nichts ohne uns über uns! geschaffen. Wichtiger Bestandteil dieses Ansatzes ist deshalb das sog. Peer-Counseling, d.h. Betroffene oder Angehörige von Betroffenen beraten Betroffene. Auch Berater mit fachlicher Ausbildung, die schon sehr lange mit Menschen mit Beeinträchtigung und/oder deren Angehörigen arbeiten, sind in diesen Beratungsstellen tätig. Die Beratungsstellen sollen unabhängig von Leistungserbringern sein und den Betroffenen ganz nach seinem individuellen Bedarf beraten. Der Umfang der Beratung richtet sich auch nach dem individuellen Bedarf des Ratsuchenden und seinen Möglichkeiten. Es besteht beispielsweise auch die Möglichkeit, Hilfestellung bei der Beantragung von Leistungen in Anspruch zu nehmen und sich z.B. die Fragestellungen in einem Antrag erklären zu lassen. Die Beratung ist für den Ratsuchenden kostenfrei.
Die Beratung in den EUTB-Stellen ist keine Rechtsberatung sondern dient dazu, den Ratsuchenden über sein Möglichkeiten und Rechte aufzuklären.
Eine weitere Kernaussage der UN-Konvention könnte man folgendermaßen formulieren: die Probleme eines Menschen entstehen nicht aus seiner Beeinträchtigung, sondern aus den in der Gesellschaft vorhandenen Barrieren, den sichtbaren und den unsichtbaren. Durch die Ratifizierung der Konvention hat sich Deutschland verpflichtet, diese Barrieren abzubauen und Menschen mit Beeinträchtigung mehr Teilhabe und Selbstbestimmung zu ermöglichen. Der Weg dahin soll über das Bundesteilhabegesetz (BTHG) führen, welches ab 01. Januar 2017 stufenweise umgesetzt werden soll.
Im BTHG werden Leistungen zur Teilhabe in allen Lebensbereichen festgelegt. Die neuen Regelungen beziehen sich vor allem auf die Weiterentwicklung der Leistungen zur Eingliederungshilfe z.B. mit Hilfe des persönlichen Budgets als Möglichkeit, selbstbestimmt nach individuellen Bedürfnissen Leistungen vom gewünschten Anbieter einzukaufen. Neu daran ist vor allem auch das Planungsverfahren der individuellen Hilfen, die mit dem Betroffenen und den involvierten Trägern der angestrebten Hilfe in einem gemeinsamen Gespräch (Gesamtplanverfahren oder Teilhabeplanung) ermittelt und festgelegt werden sollen.